Der Zauber von gutem Essen

Zeit ist etwas sehr Unregelmässiges hier. Sie fliegt vorbei, hält inne, geht wie in Zeitlupe weiter und dann ist wieder eine Woche vergangen. Mit der Zeit gehen all die Dinge, die passieren. Einmal sind sie zu einem hohen Turm gestapelt, ein anderes Mal ziehen sie sich unendlich in die Länge. Das einzige, was jeden Tag gleich bleit, sind die Essenszeiten. Es gibt Breakfast, Luch und Dinner, immer zur gleichen Zeit am gleichen Ort. Sie sind etwas zum Festhalten, auch wenn ich weder das Essen noch die laute Cafeteria besonders mag.

Ich wurde mit gutem Essen verwöhnt zu Hause. Das wusste ich aber es ist mir hier nochmals um einiges klarer geworden. Die Mahlzeiten sind nicht schlecht. Sie sind abwechslungsreich und sehr international, doch der amerikanische Einfluss ist mit jedem Bissen zu spüren. Zucker und Fett so weit das Auge reicht. Umgehen kann man es kaum, man kann nur versuchen es zu reduzieren, was schwer genug ist. Es gibt Tage, an denen ich mich sehr ungesund überzuckert fühle und von einer reifen, saftigen, roten Gartentomate zum Hineinbeissen träume. Wenn es etwas halbwegs Gesundes gibt, ist mein erster Griff nicht zur Gabel sondern zum Salz. Die Dinge sind fad oder sie sind zu scharf und schmecken nach Plastikchili. Es ist keine Liebe und keine Sorgfalt in diesem Essen. Es ist zusammengemixt und gekocht, um Menschen zu füttern, um sie satt zu machen.

Vor ein paar Tagen hat Codou, unsere senegalesische Residental Advisor, für den ganzen Dorm gekocht. Ein paar Mädchen und ich haben ihr in der Küche geholfen. Einen Abend lang Zwiebeln, Gurken und Karotten zu schälen und zwischendurch frischer Humus auf warmen Fladenbrot zu essen, war wie ein Himmel für mich. Der Duft von dampfendem Reis, Curry und Ingwer hat die ganze Küche ausgefüllt und später, als ich ins Bett ging konnte ich ihn immer noch an meinen Kleidern riechen. Während dem Koche mischten sich deutsche, englische, schweizerdeutsche und französische Worte mit Gelächter. Die Tomaten wurden mit Freude geschnitten, die Gerichte mit Liebe zubereitet und die Gewürze sorgfältig ausgewählt. Es war als hätte sich diese ganze Atmosphäre wie eine Zutat unter das Essen gemischt.

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Die Abendsonne beleuchtete mit ihren letzten Strahlen den Tisch mit den Platten und Schüsseln voller köstlichem Essen. Nach und nach fingen Gesichter an zu strahlen. Die Gewürze lösten die seltsam vertraute Mischung von verschiedenen unbekannten Geschmäcken in meinem Mund aus. Nach fast zwei Monaten ass ich zum ersten Mal wieder Essen, von dem ich jede einzelne Gabel genoss.

Und die Zeit blieb für einen Moment einfach stehen.

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Impressionen der letzten Tagen

Farben aus aller Welt an der Wecome Ceremony

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Das frühe Aufstehen am ersten Schultag hat sich gelohnt…

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Improvisiertes Backen und Kochen mit Äpfeln vom Campus

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Tageswanderung zum Wheeler Peak, Höchster Berg in New Mexico!!! (4011m/13161ft)

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Hier mit diesen Fotos ein ganz kleiner Eindruck aus meinem neuen Leben (Für die Fotobegeisterten 🙂

Das sieht jetzt vielleicht alles ein bisschen nach Ferienlager aus. Und irgendwie ist es das auch. Einen Alltag gibt es hier für mich (noch) nicht. Jeder Tag bring so viel Neues. Nur gesellt sich dieses Neue jetzt zu dem schon Vertrauten und das ist ein angenehmer Unterschied zu der ersten Woche, wo einfach ALLES neu war.

Vor zwei Wochen hat sich dann wieder einmal die Schule in mein Leben geschlichen und bestimmt nun den grössten Teil meiner Tage. Nach zwei Wochen englischer Orientation Week, war die Umstellung auf englischen Unterricht nicht ganz so schlimm, wie ich befürchtet habe. Es benötigt zwar viel mehr Konzentration mitzukommen und zu verstehen, als im deutschen Unterricht aber dafür verbessert sich mein Englisch nun umso schneller. Die grössere Veränderung für mich war wahrscheinlich die Umstellung vom Schweizer Schulsystem zum IB. Ich habe nur noch sechs Fächer, die dafür umso intensiver sind. Nur halb mitmachen oder träumen liegt definitiv nicht mehr drin… Auch die Arbeit, die wir selbständig zu erledigen haben, ist nochmals um einiges mehr geworden als im Gymnasium. Nach zwei Wochen möchte nicht gross über meine Lehrer schreiben aber es gibt auch hier grosse Unterschiede. Wir haben Lehrer, die gerne unterrichten, aber nicht erklären können, und Lehrer mit grossartigen Persönlichkeiten, die mit Leidenschaft unterrichten. Entsprechend ist auch die Dynamik in den verschiedenen Klassen.

Neben dem Unterricht haben wir alle unsere ExEd’s (Experimental Education). Ich mache einmal pro Woche Yoga, Office Support, On-Campus Service (in meinem Fall Recycling) und jeden Donnerstag werde ich in unserer Farm verbringen. Damit ist mein Stundenplan eigentlich mehr als gefüllt und dann kommen noch Hausaufgaben, jede Menge extra Projekte, Socialising und irgendwann ganz hinten Schlaf. Meine grösste Aufgabe wird es in den nächsten Wochen oder Monaten wohl sein, herauszufinden, wie viel ich tun kann, wo mein Limit ist und dann eine Art Balance zwischen all dem zu finden…

Wilderness

Hallo ihr Lieben

Diese Woche war es endlich soweit. Nach unzähligen Workshops und Aktivitäten der orientation week brachen wir in kleinen Gruppen in die Wildnis von New Mexico auf. Die Eindrücke dieser drei Tagen erfüllen immer noch meinen ganzen Körper. Es war eine wunderbare Zeit, weit weg vom Trubel und Wirbel der letzten Woche. Als wir Gestern müde und glücklich wieder bei unserem Bus ankamen, teilten wir unsere Erinnerungen in einem Spiel. Jeder beschrieb das Bild, seine eigene Erinnerung, die er von diesen drei Tagen im Kopf behalten wird. Das war ein wunderbarer Abschluss und ich versuche nun meinen Blogeintrag auch so zu gestalten.

Im Auditorium herrscht ein mehr oder weniger übersichtliches Chaos. Schlafsäcke, Kochtöpfe, Planen, Zelte, Rucksäcke, Regenjacken und Berge von Trockenfrüchte, Snacks und Pasta sind auf dem Boden verstreut. Die Stimmen von unzähligen Menschen, die Dinge suchen, lachen oder fragen, vervollständigen das Chaos. Ich treffe zum ersten Mal meine elfköpfige Gruppe, merke mir neue Namen und die Gesichter dazu. Wir bekommen erste Instruktionen wie man einen Rucksack packt, Zelte aufbaut und einen Schlafsack möglichst klein zusammenfaltet. In den nächsten Stunden lichtet sich das Chaos langsam und immer mehr gepackte Rucksäcke stehen bereit. Am späten Nachmittag haben wir es tatsächlich geschafft und sind zum Aufbruch am nächsten Morgen bereit.

Der Wecker klingelt, ich stehe auf, fange an, meine bereitgelegte Wanderkleidung anzuziehen. Meine Gefühle sind gemischt. Noch nie habe ich meinen Geburtstag ohne meine Familie verbracht. Ich vermisse die Umarmungen meiner Schwestern und Eltern, das Heimweh überkommt mich in einer Welle und ich muss ein paar Tränchen hinunterschlucken. Die Tür wird aufgerissen und vor mir stehen Fiona, Duan und Stella mit einem Stück warmen Bananencake, umringt von drei Kerzen und singen Happy Birthday für mich. Meine Überraschung verwandelt sich augenblicklich in tiefe Freude und mein Heimweh ist wie weggeblasen.

Wir laufen entlang einem schmalen Pfad, der mitten durch den Santa Fe National Forest führt. Die Landschaft erinnert sehr an das Schweizer Jura und ist mir irgendwie sehr vertraut. Dichte Tannenwälder, gelegentlich durchbrochen von grossen Lichtungen. Doch der Wald riecht anders, ich sehe unzählige Pflanzen und Blumen, die ich nicht kenne und die Luft ist trockener. Stetig führt der Pfad bergauf und das Gewicht meines Rucksackes scheint mit jedem Schritt schwerer zu werden. Ich bewundere meine co-years, die zum ersten Mal einen schweren Rucksack tragen und sich tapfer einen Schritt nach dem anderen den Hügel hochkämpfen.

Es ist fast Vollmond. Unsere Lichtung, auf der wir unsere Zelte aufgeschlagen haben ist vom weissen Licht hell erleuchtet. Ich liege mit einem Mädchen von den Bahamas auf meiner Schlafmatte mitten in der Lichtung. Wir schauen in den Himmel, bewundern den Mond und erzählen von unseren Familien.

Die Morgensonne lässt das nasse Gras glitzern. Vor dem Küchenzelt werden fleissig riesige Mengen Zimtrollen gebacken. Der süsse Duft erfüllt die Luft. Nach und nach gesellen sich auch die Langschläfer zum Kochzelt. Fast den ganzen Morgen essen wir frische Zimtrollen, geniessen die Sonne und spielen Karten.

Nach drei Stunden wandern ohne Pfad, vielen Pausen, in denen die Karte studiert wird, unzähligen erfolgreich gelösten Riddles und Tortillas mit Käse und Zimt, beschlossen wir das Ziel unserer Tageswanderung, einen Hügel mit Aussicht über einen grossen Teil des Waldes, auszulassen und wieder zu unserem Camp zurückzulaufen. Ich halte den Kompass in der Hand und versuche zusammen mit Rebecca einen Weg durch den unberührten wilden Wald zu finden. Wir umrunden riesige umgestürzte Baumstämme, bahnen einen Weg durch das Gestrüpp und flogen gelegentlich schmalen Tierpfaden. Nach einer Stunde haben wir unsere Gruppe erfolgreich wieder zum Camp geführt, 100 Meter neben dem Ausgangspunkt! 🙂

Wir sitzen alle in einem Kreis auf unseren Schlafmatten, unsere Gesichter erleuchtet von dem improvisierten Campfeuer (eine Wasserflasche erleuchtet von einer Stirnlampe) und spielen das M&M Spiel. Jeder zieh ein M&M und erzählt je nach Farbe, die gezogen wurde, eine Geschichte dazu. Ich lausche den Träumen, Wünschen und Geschichten aus der Vergangenheit aus aller Welt. Ein UWC-Moment.

Es gäbe noch so viel mehr zu erzählen aber hier habe ich einfach nicht den ganzen Tag Zeit, zu schreiben, auch wenn ich das manchmal gerne tun würde. Ich hoffe, ich konnte euch dennoch einen kleinen Eindruck davon geben, was ich alles auf meinem Wilderness Trip erlebt habe…

Bis bald 😉

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Between sunnflowers and two hundred new faces

Ich bin angekommen. Zumindest ein Teil von mir ist angekommen. Der andere schwebt noch immer irgendwo in der Welt des noch-nicht-verarbeiteten und scheint nicht wirklich daran interessiert zu sein, diese zu verlassen.

Vor sechs Tagen begann tatsächlich mein UWC-Abendteuer. Wenn ich jetzt an den Beginn meiner Reise zurückdenke, scheinen Wochen vergangen zu sein. Verrückt. Von meiner Reise sind nur noch bruchstückhafte Erinnerungen in meinem Kopf. Die Gesichter meiner Schwestern, wie sie am Zugfenster stehen und winken, der Bus auf dem Frankfurter Flughafen, meine Sitznachbarin auf dem Flug nach Charlotte, die Zollbeamten, das Gewitter über Charlotte, die Erleichterung bei meiner Ankunft in Albuquerque. Und dann wie ein Hammerschlag endlich ein grosses UWC-USA Schild. All die aufgeregten und müden Gesichter der neuen firsties. Dann die Busfahrt durch das dunkle New Mexico und mein erster Blick auf das hell erleuchtete Schloss auf dem Campus. All die überdrehten second-years, die uns in Empfang nahmen…die Aufregung und Erleichterung, tatsächlich auf dem Campus zu sein…und dann endlich ein Bett. Ein bisschen stolz bin ich schon, dass ich meine erste grosse Reise ganz alleine geschafft habe! 

Die ersten zwei Tage verbrachte ich auf dem Campus. Wir haben eine ziemlich strenge Tagesplanung aber dazwischen bleibt doch immer etwas Zeit, um die wunderschönen, sonnendurchfluteten Räume zu bewundern, sich zu verlaufen und an jeder Ecke jemandem zu begegnen und sich vorzustellen. Bis Ende August haben wir firsties orientation week. Das heisst jeder Tag ist bis zum Rand gefüllt mit verschiedenen Aktivities, Workshops und Meetings rund um UWC. Dazu gehörte auch ein dreitägiger Trip nach Philmont in ein Boy Scout Center zum Kennenlernen. Auf der zweistündigen Busfahrt (in einem richtigen gelben amerikanischen schoolbus!!) sah ich zum ersten Mal, in welch wundervollen Umgebung ich hier gelandet bin. Die Landschaft von New Mexico ist schrecklich schön. Ebenen mit Steppengras und einzelnen, kleinen, grünen Büsche und Bäume erstrecken sich bis zum Horizont. Dazwischen spriessen überall wilde Sonnenblumen aus dem Boden. Ab und zu sieht man eine Herde weidende Antilopen zwischen dem dürren Steppengras. (Ich hatte leider weder mein Handy noch meine Kamera dabei aber ich werde versuchen an Fotos zu kommen!)

Jetzt bin ich seit zwei Tagen wieder auf dem Campus und finde mich immer besser zurecht. Ich nenne es noch nicht wirklich mein zu Hause aber ich kann mir sehr gut vorstellen, dass es das irgendwann sein wird.

So viele Menschen haben mir vom UWC als ein Ort where magic happens erzählt. Ich glaube ich habe schon ein bisschen von dieser Magie entdeckt. Wenn immer ich mein Zimmer verlasse, öffnet sich mir eine Welt, in der man nie weiss was als nächstes passiert und wenn man nur offen und spontan ist passieren die wundervollsten Dinge.

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Das Ich-kann-nicht-mehr-still-sitzen-Syndrom

Jetzt hat es mich definitiv auch erwischt! Das ich-kann-nicht-mehr-still-sitzen-Syndrom. Wenn ich nicht im Haus herumrenne, um irgendwelche Sachen zu sammeln, tragen mich meine Beine planlos durch die Gegend. Mal eine Runde durch die Küche, mal Treppe auf, Treppe ab…vielleicht ist ja die Wäsche schon getrocknet, ah nein noch nicht…oh ich muss unbedingt noch… Einfach ja nicht stillsitzen, auf keinen Fall nichts tun!

Wenn ich das so schreibe, muss ich selbst über mich lachen. Gestern habe ich auf die Frage, ob ich nervös bin nur die Schultern gezuckt und wage, ein bisschen, geantwortet und gelächelt. Ich habe mich gefragt, ob ich vielleicht nicht ganz normal bin, denn jeder normale Mensch wäre doch jetzt langsam am ausflippen. Meine Besorgnis hat sich dann heute Mittag aber ganz plötzlich in Luft aufgelöst. Beim Mittagessen konnte ich plötzlich kaum mehr stillsitzen, mein ganzer Körper stand unter Strom und meine Füsse trommelten auf den Boden. Dieser Zustand kommt und geht, es ist das reinste Chaos.

Doch heute Abend, als ich in den Himmel voller Sternen geschaut habe, hat sich die Unruhe gelegt. Wie ein Sturm, der plötzlich vorbei ist und Stille hinterlässt. In diesem Moment hat sich alles wie von selbst geregelt. Für einen kurzen Augenblick war es vollkommen in Ordnung, die Kontrolle zu verlieren, mein zu Hause zu verlassen, ins Ungewisse zu gehen. Ich spürte einfach nur die warme Luft um mich herum und hörte die Grillen zirpen.

Dieser Moment ist zwar wieder vorbei aber er hat wenigstens ein bisschen Ruhe in das ganze Chaos gebracht.

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Morgen in zwei Wochen.

Leichter Schwindel erfasst mich beim Nachdenken über diesen Satz. Mein Gleichgewichtssystem, dass sich nach einer knappen Woche auf einem Segelschiff noch nicht wieder an festen Untergrund gewöhnt hat und mir das Gefühl eines schwankenden Bodens unter mir gibt, trägt nicht gerade dazu bei, das Drehen in meinem Kopf zu stoppen. Ähnlich wie dieser letzte Satz schachteln sich meine Gedanken ineinander und übereinander, nur um im nächsten Augenblick wieder auseinanderzufallen. Alle paar Minuten kommen mir neue Dinge in den Sinn. Manchmal von dringlicher Wichtigkeit und oft vollkommen Sinnlos. Alles was in den letzten zwei Wochen in die hinteren Ecken meines Gehirns gepackt wurde meldet sich nun lautstark zurück.

Die erste Welle von Abschieden liegt hinter mir. Sie gab mir einen kleinen Vorgeschmack auf den Wirbelsturm, den mich noch erwartet. Jeder Abschied hat seinen ganz eigenen Charakter. Einige hinterlassen ein perplexes Lächeln auf meinem Gesicht und werden erst viel später Realität. Andere sind schmerzlos, Mut machend und erfüllen mich mit Vorfreude. Wieder andere sind einfach nur herzbrechend. Doch keiner dieser Abschiede ist für immer. Wahrscheinlich ist es diese Gewissheit, die mich am meisten tröstet. Und natürlich die Aussicht auf zwei UWC-Jahre.

Ich habe zwei wunderschöne Ferienwochen ganz alleine mit meiner Familie verbracht. Es war mir sehr bewusst, dass dies besondere Ferien waren. Irgendwie erwartete ich, dass ich jeden Moment geniessen musste. Aber ich tat mich schwer mit der Vorstellung, dass ich diese so vertraute Gemeinschaft bald verlassen würde. Darum habe ich das Ganze vielleicht etwas zu selbstverständlich genommen. Es war ja nie anders in meinem Leben. Wie sollte ich mir da etwas so Abstraktes vorstellen können?! Also liess ich das mit dem Vorstellen und jeden Moment geniessen und machte einfach Ferien mit meiner Familie wie immer. Denn dazu hatte ich ganz viel Zeit. Zeit zum Schlafen, Lachen, Reden, Lesen, Schreiben, Essen, Schauen und zum einfach gar nichts tun. Ferien eben. Etwas vom Schönsten was es gibt…

Tja und jetzt sind sie vorbei. Der Puffer zwischen vorher und UWC ist plötzlich weggelebt, hat sich in Luft aufgelöst. Was sich vor ein paar Tagen noch so weit weg angefühlt hat ist nun einen gewaltigen Sprung näher gekommen.

Morgen werde ich wohl damit beschäftigt sein, mein Gedankenchaos aufzuräumen und Listen zu schreiben.

Jetzt mache ich gar nichts mehr. Lasse mich von meinem Schwindel davontragen und geniesse das Gefühl, noch ein bisschen Zeit übrig zu haben, bevor die endlosen Listen auf meinem Gewissen lasten.

Heute in zwei Wochen.

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Glück und Zeit

Noch 62 Tage sind es. Noch 1488 Stunden werde ich zu Hause in der Schweiz mit meiner Familie und meinen Freunden verbringen. Diese Zeit verbleibt, um mich von meinem Umfeld zu verabschieden. Seit sechzehn Jahren lebe ich mit meiner Familie, ich habe nie etwas anderes gekannt. Die vielen aussergewöhnlichen Dinge, die ich mit meinen Schwestern und Eltern erlebt habe, haben ein festes Band zwischen uns geknüpft. Das gibt mir viel Vertrauen und Sicherheit, denn ganz egal was passieren wird, ich habe immer ein zu Hause, in das ich zurückkehren kann. In den letzten Monaten habe ich das Familienleben sehr intensiv wahrgenommen und viele kleine lustige und schöne Dinge entdeckt. Aber nicht nur in der Familie sondern auch unter meinen Freunden, versuche ich die schönen Momente aufzusammeln und als Erinnerungen für immer in mein Herz einzuschliessen.

Trotz allem lähmt mich der Gedanke, meine vertraute und geliebte kleine Welt hier aufzugeben, keineswegs. Ich hoffe es gibt einige Freundschaften, die stark genug sind, um die zwei Jahre zu überstehen. Denn wenn ich zurückkomme, wird alles anders sein. Ich werde mich verändert haben und auch meine ganze Umwelt. Seltsamerweise machen mir Gedanken in diese Richtung keine Angst. Es ist vielmehr ein Gefühl von Freiheit. Ich bin an nichts und niemanden gebunden und lasse mich mit ausgebreiteten Armen in die Ungewissheit fallen. Kleine Augenblicke des Glücks, ist alles was ich brauche. Dann kann mir die Zeit nichts anhaben.

Hallo da draussen!

Hallo ihr Lieben

Hier nun mein allererster Blogeintrag. Ich hoffe sehr, ihm werden während meinen zwei UWC-Jahre regelmässig weitere folgen…damit ihr Daheimgebliebenen und Interessierten ein wenig an meinen Erlebnissen und Erfahrungen teilhaben könnt. Wenn ich über längere Zeit vergessen sollte, ein Lebenszeichen von mir zu geben, zögert nicht und erinnert mich daran! 🙂 Denn eigentlich schreibe ich gerne und viel. Eigentlich…

Mitte Februar erfuhr ich von meiner Nominierung am UWC-USA. Jetzt ist es schon Juni und mittlerweilen ist definitiv klar, dass ich angenommen bin. Ich stecke mitten in der Formularschlacht meiner Visum-Beantragung. Die Tage zu Hause sind gezählt, am 15 August fliege ich nach Albuquerque in New Mexico. Langsam aber sicher fängt UWC an, sich in mein Leben einzuschleichen. Kein Tag vergeht, an dem ich nicht mindestens zwei Mal 15. August gesagt oder das Konzept vom UWC erklärt hätte. Es beeinflusst meine Gedanken, mein Tun, meine Entscheidungen und Überlegungen und beherrscht meine Tag- (und Nacht-) träume. Ich spüre einen leisen aber allgegenwärtigen Countdown, der sich durch die Tage zieht. In manchen Momenten erfasst mich eine unbeschreibliche Vorfreude und Ungeduld, in anderen ist mein ganzer Kopf voller Zweifel (die aber meistens schnell wieder vertrieben sind). Gleichzeitig ist es noch so weit weg, fast ungreifbar. Wie eine Theaterbühne, deren Vorhang noch fest zu ist. Ich versuche mir vorzustellen, was sich dahinter verbirgt und male es mir in allen Details aus. Aber wirklich weiss ich es erst, wenn ich da bin. Und das geht noch sooo lange…

Bis bald!

Selina