The sound of silence

IMAG2003Dieser Blogeintrag ist eine Sammlung verschiedener Erlebnissen, Momentaufnahmen und Kurzgeschichten, die in den letzten Wochen entstanden sind.

Ich habe sie wieder gefunden an einem Ort, an dem mich viele Meilen von der Zivilisation trennten. In einem Canyon, zwischen hohen Sandsteinen in allen Rottönen und dem tief blauen Himmel von New Mexico. An einem stillen brauen Fluss, dessen Oberfläche sich im Wind kräuselte und das Licht der Sonne metallisch reflektierte. Genau wie man die Intensität von Dingen, die man nicht mehr hat, mit der Zeit vergisst, habe ich vergessen wie Stille klingt. Eine alte Freundin, Verbündete und Geliebte hat mich in ihre Arme genommen, getröstet und mit klaren frischen Gedanken wieder gehen lassen.

Sie gehört zur Natur, wie jedes Lebewesen. Würde man nicht tausend Schichten Lärm darüber legen, würde man sie nur lassen, sie würde ihren reinen, unberührten und heilenden Klang weit verbreiten.

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Meine Projektwoche habe ich mit zwei Lehrern und einer kleinen Gruppe firsties (Alaska, China, Japan) in zwei verschiedenen Kloster von New Mexico verbracht. Ja, Kloster… Vor einem halben Jahr hätte ich noch die Nase gerümpft bei dem Gedanken eine Woche freiwillig in Klostern zu verbringen. Tja, die Zeiten haben sich geändert. Diese Woche war vielleicht eine meiner speziellsten Erfahrungen, die ich hier am UWC bisher machen durfte. Ich hatte noch nie einen so intensiven Einblick in die christliche Religion, überhaupt in irgendeine Religion. Der Kontrast zwischen dem UWC Alltag und dem stillen, konservativen und strickten Leben der Benediktiner Mönchen könnte nicht grösser sein. Sie kommen aus aller Welt, um sich weit weg von jeglicher Zivilisation im Chama Canyon in einer kleinen Gemeinschaft gleichgesinnter auf die Suche nach Gott zu begeben. Um vier Uhr morgens beginnt die erste Kirchenmesse und um halb acht abends endet die letzte mit dem Duft von Weihrauch und einem langen gesungenem Gebet. Der Ablauf des Tages ist strickt festgelegt. Jede Stunde hat ihren Sinn. Freizeit haben die Mönche kaum. Sie leben einfach, ohne eigenes Geld, ohne grossen Besitz, minimalem Zugang zum Internet und seltener Kontakt zur Aussenwelt. Der Jüngste von ihnen ist 21 Jahre alt und hat sich mit 19 entschieden, sein Leben in dem „christ of the desert“ Kloster zu verbringen. Nach der Sonntagsmesse wurde uns das einzige Mal erlaubt, mit den Mönchen zu sprechen. Ich stellte viele Fragen und hörte gespannt und so offen ich konnte in eine Welt hinein, die meinen Vorstellungen und Ansichten so sehr widerspricht. Doch als wir nach vier Tagen diese isolierte Gemeinschaft verliessen, hatte ich eine wage Ahnung davon, was einen Mensch zu dieser Lebensform bewegen vermag. Viele Gedanken und Gespräche über die christliche Religion, Buddhismus und Spiritualität in diesen vier Tagen haben mir Sicherheit gegeben. Ich bin mit dem was ich glaube und nicht glaube auf einem Weg, der richtig für mich ist.

Das zweite Kloster, das wir besuchten ist nicht besonders erwähnenswert. Es war so ziemlich das Gegenteil von „christ in the desert“. Eine spirituelle Atmosphäre gab es nicht, es fühlte sich eher wie ein gewöhnliches Hotel an. Wir waren kaum in den Alltag der Mönche dort eingebunden und auch die Umgebung war nicht sehr ansprechend. Sicher war es interessant den Unterschied verschiedener Klostern zu sehen, doch in meiner Erinnerung wird das einsame Kloster im stillen Canyon bleiben.

IMAG1989Vier weisse Wände umgeben ein Pult, eine Leselampe, einen Stuhl dazu, ein Bett, ein kleines hölzernes Jesuskreuz und mich. Nur das hintergründig rauschende Geräusch des Ofens und das Kratzen meines Stiftes auf Papier füllt den kleinen Raum. Ich bin alleine. Zum ersten Mal seit langer Zeit. Es gibt keine Elektronik, Menschen oder Ereignisse, hinter denen ich mich vor meinen Gedanken verstecken kann. Ich bin mir selbst ausgeliefert und fühle mich viele Jahre zurückgeworfen, in eine Zeit, als ich zum ersten Mal bei Freunden übernachtete und nicht schlafen konnte weil ich nicht im eigenen wohlig warmen Bett lag. Jetzt sitze ich irgendwo im Nirgendwo, auf einem anderen Kontinent unendlich weit von meinem eigenen Bett entfernt und habe zum ersten Mal seit vielen Wochen wieder Heimweh.

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Ein Gemisch von verschiedenen Sinneswahrnehmungen durchsickert meinen Körper. Auf der Suche nach Metaphern dafür dreht sich mein Gehirn, suchend wie eine verwirrte Kompassnadel. Dinge, die ich will und Dinge, die ich vielleicht möchte, treffen mal hier mal da auf Dinge, die wirklich passieren. Erschaffen durch Vorlieben, seichten Leidenschaften, Meinungen, die nur in meinem Kopf existieren und der Hoffnung auf einen Hinweis. Ich kann denken so viel ich will, folge aber dann doch nur dem, was offensichtlich ist. Der Leim, den ich benutze hält nicht, verrottet und ein Vorhaben fällt einfach wieder ab. Ich müsste mit Nadel und Faden dahinter, doch dies bedeutet Schmerz. Schmerz macht meinen Körper schwach. Ich fühle mich wie ein kleines Kind, das die Verbindung zum Herzschlag eines anderen Menschen braucht. Doch das kann ich mir nicht leisten.

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It’s still me

Underneath of what I want to be

Underneath of what I’m supposed to be

Underneath of what I’m not, it’s still me

Es ist vergraben. Manchmal betäubt. Lässt sich nicht blicken, wenn ich’s am dringendsten brauche. Verschleiert, unscharf, flüchtig, eine Farbe nah an der Unsichtbarkeit. Die Augen zusammenzukneifen lässt es verschwinden. Ein gejagter Schatten. Ein vorbeihuschendes Gefühl.

Nur wenn ich stehen bleibe. Die letzten Beweise, dass es vielleicht doch existieren könnte hinter dem Horizont verschwinden sehe.

Mich hinsetze, warte. Geduld. Lange.

Kommt es zurück.

Überstrahlt für einen Moment alles andere. Und verschwindet wieder.

Doch hinterlässt einen Moment der Gewissheit.

 

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Mango im Morgengrauen

Eigentlich braucht es gar nicht mehr als ein Einmachglas mit frischer Mango, zwei Gabeln, chinesische Stäbchen und dampfender Chai Tee mit Honig, um aus einem nebligen Märzgmorgen ein Symphonie der Sinne zu erschaffen.

Als wir an im Dunkeln die Eingangshalle des Schlosses verliessen, rieselte Schnee aus dem dicken Nebel, der die Hügel von Montezuma einhüllte. Die kalte Nachtstille lag über dem ganzen Campus, Stunden bevor die ersten Frühaufsteher aufwachten.  Der Strahl einer Taschenlampe beleuchtete den schmalen Trail durch den Wald. Als das Morgengrauen sich langsam durch den Nebel kämpfte, wurden die weissen vereisten Nadeln der Tannen sichtbar. Wir waren aufgestanden um die glutrote Sonne am Horizont aufgehen zu sehen, doch durch die dicke weisse Suppe drangen nur die wenigen milchig gelben Lichter von Las Vegas. Wir hatten unglaubliches Glück und erlebten eine sehr seltene Morgenstimmung an diesem Ort hier. Graues sanftes Licht breitete sich über den bewaldeten Hügeln aus, während sich drei Menschen aus den verschiedensten Ecken der Welt Mango und Tee teilten.

Vielleicht fange ich an, mich ein ganz klein wenig in diesen Ort, der mir immer wieder solche Momente schenkt, zu verlieben.

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Elefanten

Vor langer Zeit existierte irgendwo im Universum ein Stern. Millionen Jahre bevor es die frühsten Formen des Lebens auf der Erde gab, ist er gestorben. Doch sein Licht reist noch durch den Weltraum. Es wird unsere Erde nicht erreichen, bis die Menschen ausgestorben sind. Unsere Augen werden nie Zeugen des Augenblickes sein, wenn das reine weisse Licht des Sterns als kleinen Punkt in unserem Nachthimmel erscheint. Wir werden nie sehen, wie all die Elefanten, die mit dem Licht reisten, auf der Erdoberfläche landen. Unsere Körper werden nie fühlen, wie die Erde erzittert, wenn die Elefanten sich alle gleichzeitig anfangen zu bewegen und in demselben Rhythmus einen riesigen Elefantenfuss vor den anderen setzen. Wir werden alle tot sein, wenn die Elefanten durch unsere Ozeane schwimmen und sich im Schatten der Himalaya zur Ruhe legen. Wir werden nicht die Schönheit der Geburt des ersten Babyelefanten auf Erde erleben. Und ich glaube es ist gut so.

-Jeden Sonntag Abend trifft sich eine kleine Gruppe inspirierende Individuen im Castle um Tee und Worte zu teilen. Elefanten und It’s still me sind dort entstanden.

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Langsam merkt man, wie sich die Zeit anfängt zu verdichten. Es verbleiben noch ein paar wenige Wochen bis die second years diesen Ort verlassen. Noch denkt niemand zu genau darüber nach aber manchmal gibt es das eine oder andere bestürzte Gesicht, wenn sich eine Diskussion beim Abendessen in Richtung Graduation und neue firsties bewegt. Ich versuche nicht zu viel voraus zu denken und zwischen den Bergen von Aufsätzen, Hausaufgaben und Tests, so viel wie möglich mit den Menschen zu erleben, die mir ans Herz gewachsen sind.

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